Dissertationsprojekt: Resozialisierung nach Völkerstraftaten im deutschen Strafvollzug
Von Karla Marek, M.Sc.
Das Dissertationsvorhaben geht der Frage nach, was Resozialisierung nach Völkerstraftaten bedeutet und wie sie im deutschen Strafvollzug umgesetzt werden kann. Ziel ist es, die gegenwärtige Resozialisierungspraxis der deutschen Justiz gegenüber Personen zu untersuchen, die wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen (§§ 6–12 VStGB) verurteilt wurden. Darauf aufbauend sollen Empfehlungen für einen resozialisierungsorientierten Strafvollzug entwickelt werden, der auf die Besonderheiten von Völkerstraftaten ausgerichtet ist.
Die internationale kriminologische Forschung zu Makroverbrechen zeigt, dass sich Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in ihrer Natur und Entstehung grundlegend von „konventionellen" Straftaten unterscheiden – nicht zuletzt, da sie häufig in Konfliktregionen und im Kontext gewaltvoller Systeme stattfinden und stark von kollektiven Einflüssen geprägt sind. Deutschland gilt in der nationalen Ahndung dieser Völkerstraftaten international als Vorreiter: Deutsche Oberlandesgerichte haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Verfahren nach Völkerstrafrecht geführt, die teilweise breite, internationale Beachtung fanden. Der Strafvollzug der Verurteilten bleibt dabei in der nationalen wie internationalen Forschung bislang jedoch weitgehend unbeachtet, obwohl sich aus den Besonderheiten von Völkerstraftaten Implikationen für Resozialisierungsansätze und Entlassungsperspektiven ergeben können. Diese Forschungslücke möchte das Dissertationsvorhaben schließen. Anhand qualitativer Interviews mit Strafgefangenen, Vollzugsmitarbeitenden und Prozessbeteiligten soll zunächst ein Überblick über die in Deutschland verurteilten und inhaftierten Personen gewonnen werden. Anschließend wird der aktuelle Resozialisierungsansatz abgebildet, auf dessen Grundlage Vorschläge für einen Ansatz entwickelt werden, der den Besonderheiten von Makroverbrechen Rechnung trägt.
Das Vorhaben ist als exploratives, empirisches Forschungsprojekt angelegt.
Dauer: seit 01/2026